Orakel in Tschechien

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Orakel international - Punktieren und allerlei Geheimnisvolles aus Prag

Orakel international - Punktieren und allerlei Geheimnisvolles aus Prag

Das geheimnisvolle Prag gilt als eine der mystischsten Städte Europas – da sind gotische Türme und Kathedralen, dort sind hunderte Brücken über die Moldau, kunstvoll aus schmiedeeisernem Dekor zusammengebaut, hier ist der Hradschin, die uralte Kaisersburg, der alte Teil der Stadt, in dem Straßennamen wie „Goldmachergasse“ noch an das Treiben der Alchimisten erinnern, die aus Blei Gold machen wollten.

Das „goldene Prag“, wie die Stadt aufgrund der zahlreichen barocken und gotischen Kulturdenkmäler mit vergoldeten Dächern heißt, war auch Sammelplatz für Magier, Propheten, Seher und Schwarzkünstler aus aller Welt. Das Interesse am Okkulten zog sich vom einfachen Bürgertum bis in die höchsten Kreise dieser umtriebigen Metropole: auch der Adel machte begeistert mit beim Blick in die Zukunft.

Schon der Sagen umwobene Kaiser Rudolf von Prag (1552-1612) soll eine Kuriositäten-Sammlung gehabt haben, in der sich alles finden ließ, was das Herz eines Okkultisten höher schlagen ließ: Präparate aus der Zauberküche, eine „camera obscura“ wie ein Vorläufermodell einer technischen Apparatur hieß, sowie einen Zoo mit seltenen exotischen Tieren, sogar mit einem Nashorn, das in Europa seinerzeit noch ganz unbekannt war.

Rabbi Löw, der berüchtigte Kabbalist, soll in der alten Judenstadt Prags, im Ghetto, den künstlichen Menschen aus Lehm gestaltet haben, der heute noch als „Golem“ bekannt ist und dessen Artefakt in der Altneusynagoge ausgestellt wird. Prag, ein bezauberndes Sammelsurium alter und neuer Geheimnisse, ist heute längst eine moderne Großstadt, doch an allen Ecken holt den Reisenden die Geschichte wieder ein, und wenn er genau hinhört, kann er sogar die alten Sagen und Legenden der Stadt, die in den Mauern gespeichert sind wie Schemen der Erinnerung, wieder wispern hören, was damals geschah…

Auf die Frage, welche Orakelkünste man in Prag betrieben hat, kennt der Historiker nur eine Antwort: alle. Die historische Weltstadt an der Moldau barg Raum für alle okkulten Techniken und Praktiken, die dem Sterblichen einen Blick in die Zukunft eröffneten: Weissagen aus den Karten, aus der Kristallkugel, aus dem Kaffeesatz, aus dem Flug der Vögel und dem Rauschen des Windes, und aber auch eine ganz typische Technik, die hier ihren Ursprung nahm – das Punktieren.

Unter „Punktieren“ verstand man das Stechen in ein Orakelbuch, meist war es die Bibel, da viele Menschen in alter Zeit nur ein Buch in ihrem Haushalt hatten, und das Vorlesen des entsprechenden Spruchs auf der getroffenen Seite. Indem der Hausherr abends nach dem Beten eine Stechnadel in die Bibel stach, wurde die betreffende Seite aufgeschlagen und der Bibelvers vorgelesen, der sich darauf befand.

Dieser Vers sollte auf geheimnisvolle Art und Weise direkte Auskunft geben zu einem Schicksalsproblem, das die Leute beschäftigte. Oft stimmten solche „Zufallstreffer“ durch das Punktieren (andernorts auch „Bibelstechen“ genannt) und man konnte tatsächlich wertvolle Hinweise auf die Situation oder für die nächste Zukunft erfassen. Eine etwas aufwändigere Variante des Punktierens bediente sich nicht einer Bibel, sondern einer speziellen Wachstafel, auf die der Seher oder die Seherin mit einem Griffel Zeichen malte oder Punkte tupfte.

Aus der Anordnung dieser Punkte wurden dann, durch Verbindung der Punkte mit Linien, komplexe Figuren gezeichnet, die einen bestimmten Sinn hatten: das kleine Glück, das große Glück, die Illusion, der Drachenkopf und viele andere. Alle gaben eine mögliche Zukunft des Ratsuchenden wieder, und sehr gern wurden diese Orakel befragt, die spielerisch einen Einblick in das Zukünftige bieten konnten…