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Orakel international - Winterorakel in Deutschland

Orakel international - Winterorakel in Deutschland

Lange Winterabende am knisternden Kamin, wo die Großfamilie vom Kleinkind bis zur betagten Großmutter zusammensitzt und sich im Flüsterton Geschichten erzählt, gruselige und schöne – das ist ein romantisches Bild aus vergangenen Tagen, aus der Biedermeierzeit, heute kaum noch vorstellbar und höchstens mit nostalgischem Wert.

Doch noch vor hundert Jahren – wenngleich auch damals bereits die Mehrzahl der Familien kleiner war und der Bezug zur Landwirtschaft nicht mehr überall gegeben – gehörte das Orakelsehen im Winter für Groß und Klein zu den bevorzugten Zeitvertreiben in der dunklen Jahreszeit, und insbesondere aus den ländlichen Gegenden in Deutschland stammen viele Orakel, die ausgerechnet im Winter, und zwar zu bestimmten Terminen und Daten, ausgeführt wurden.

In katholischen Gebieten in Deutschland wie Bayern, dem Saarland und dem Rheinland feierte man gern die Todestage der Heiligen wie Sankt Andreas und Sankt Thomas mit Gebeten, Gottesdiensten – und einem Blick in die Zukunft, der eine Ausschau auf das kommende Jahr bieten sollte. Es handelt sich hierbei weniger um spezielle Techniken an sich – wie Kartenlegen oder Kaffeesatzlesen – als vielmehr um die Kombination von bestimmten kirchlichen Feiertagen im Winter und ein besonderes Brauchtum, das nur an diesen Tagen „wirken“ sollte, weil man früher glaubte, der entsprechende Heilige des Tages helfe gern ein wenig nach, damit es mit der Zukunftsschau funktioniert.

Wollen Sie probieren, was man früher an Versuchen unternommen hat, um in die Zukunft – und besonders ins neue Jahr – zu blicken?

Der Sankt Andreas Tag (auch Sankt Andrä genannt) ist am 29. oder 30. November. Es gibt verschiedene Orakeltechniken, die besonders an diesem Tag wirken sollten. Ein beliebter Orakel-Brauch zu Sankt Andreas ist für unverheiratete Frauen oder Singles, dass sie sich bei einer verheirateten Nachbarin eine Tasse Wasser leihen sollen. Darin werden drei Birnenkerne und etwas saubere Erde aufgebraut, die unter einem Obstbaum lag.

Diesen „Tee“ trinkt man unmittelbar vor dem Schlafengehen und hofft, dass der Zukünftige bald erscheint, was der heilige Andreas, wenn man ihn schön bittet, angeblich gern erfüllt. Es geht jedoch auch anders: in Bayern hielt sich der Brauch, dass junge Frauen, die heiraten wollen, kurz vor dem Schlafengehen am 29.11. einen stark gesalzenen Hering essen. Im Traum sollte dann der Zukünftige erscheinen – mit einem Glas Wasser gegen den Durst!



Der Sankt Thomas Tag (mancherorts auch Sankt Thomä genannt) ist der 21. Dezember und somit ganz kurz vor Weihnachten. Dieser Tag gilt generell als der kürzeste Tag im ganzen Jahr, da er unmittelbar die Wintersonnwende einläutet. Viele Bauernregeln und viel altes Brauchtum ranken sich um dieses besondere Datum. Thomas war ein Apostel von Jesus Christus, und er war bekanntlich der Zögernde und Zweifelnde, der nicht glauben wollte, dass Jesus auferstanden war, bis er die Hand in seine Wunden legen konnte.

Aus irgendeinem Grund glaubte man in katholischen Gegenden Deutschlands, dass der gute Heilige Thomas tatsächlich auch Wunden heilen könne – nämlich die der unerfüllten Liebe. Junge Mädchen, die gern heiraten wollten (aber sicher auch geschiedene Frauen, die wieder heiraten möchten, können wir modern ergänzen) können in der Nacht auf Sankt Thomas in die nahe Zukunft blicken und sogar einen Traum von ihrem Zukünftigen erhalten. Hierzu benötigen sie nur drei schöne intakte Lorbeerblätter, die mit Stecknadeln unten am Kopfkissen befestigt werden – und wer am 21.12. darauf schläft, dem erscheint angeblich der neue Partner im Traum. Aber bitte nicht verschlafen vor lauter süßer Zukunfts-Träumerei, denn wer am Morgen vom Thomastag zu spät aufsteht, wird „Thomas-Esel“ genannt!



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