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Orakel international - Mexiko: Der Korn-Gott und das Maiswerfen

Orakel international - Mexiko: Der Korn-Gott und das Maiswerfen

Mexiko ist ein Land im südlichen Nordamerika, das an Guatemala, Belize und die Karibik angrenzt. Mit über 125 Millionen Einwohnern, von denen acht Millionen in der Hauptstadt Mexiko City leben, gehört es zu den größten spanischsprechenden Populationen weltweit. Denn die Verbreitung der spanischen Sprache in Mexiko hat ihren Grund in der Kolonialgeschichte, als die spanischen Eroberer zu Beginn der Neuzeit auf der Suche nach Gold und Bodenschätzen das Land der Azteken aufsuchten – und oft auch plünderten.


Die ursprüngliche aztekische Kultur wurde dabei leider weitestgehend zerstört, nur die besondere Architektur der treppenförmig aufgebauten Pyramiden und vereinzelte Tempel der Sonnengötter erinnern daran, dass vor den Spaniern in Mexiko eine reiche und fortschrittliche Kultur existierte, die ihre eigene Berechtigung und ihre eigenen Bräuche hatte. Zu den traditionellen Bräuchen gehörten in jeder Kultur die divinatorischen Künste – die Fähigkeit, aus den Vorzeichen der Gegenwart die Zukunft vorauszusagen.

Es gab viele solcher Orakelbräuche bei den aztekischen Schamanen, doch aufgrund der mündlichen Überlieferung sind nur wenige bis heute erhalten und nachvollziehbar geblieben. Eins der bekanntesten und bis heute aktuellen mexikanischen Orakel, das sich bis in die Gegenwart herübergerettet hat, ist das Maiswerfen. Es ist in Mexiko deshalb so beliebt, weil es fast keiner Planung und Voraussetzung bedarf und man die Hauptzutat, den Mais, praktisch immer bei der Hand hat.

Dennoch ist es phänomenal, denn es rührt in seiner Geschichte an die legendären Traditionen der eingeborenen Indianer, die Sage vom Korn-Gott und seiner lebensspendenden Macht über die Menschen…

Das mexikanische Maiswerfen ist eine Orakeltechnik, bei der eine Handvoll Maiskörner auf den Boden geworfen wird und aus der Form, die dadurch entsteht, ein gutes oder schlechtes Omen als Antwort auf die Frage abgelesen werden kann. Diese divinatorische Technik ist als solche uralt und wird in vielen Kulturen der Welt mit den unterschiedlichsten Mitteln (Steine, Edelsteine, Münzen, Runen, Blumen, Muscheln) durchgeführt.

Im Griechischen heißt sie übrigens boleomantie, das „Werfen von Orakeln“, und geht auf über 2000 Jahre alte Beschreibungen von Schriftstellern und Historikern zurück, die diese Bräuche schon im Altertum geschildert haben. Dennoch ist jedes divinatorische Wurfspiel, das zum Blick in die Zukunft befähigen soll, anders und hat seine ganz eigenen Besonderheiten.

In Mexiko üben bestimmte Eingeborenenstämme das traditionelle Maiswerfen bis heute aus: die Zapotek, Tzotzil, Nahua- und Yukatan-Indianer, um nur einige zu nennen. Es liegt in ihrer Kultur und wird von Generation zu Generation oral übermittelt, wobei es aber von Stamm zu Stamm auch individuelle Abweichungen gibt, wie das Orakel gedeutet wird. Allen gemeinsam ist das Verwenden von Mais als zukunftsträchtigem Medium, wobei verschiedene dort heimische Maissorten (auch der in Europa weitgehend unbekannte mexikanische Mais mit roten oder schwarzen Körnern) verwendet wird.


Eine große Besonderheit des mexikanischen Maiswerfens ist, dass der Mais selbst kein beliebiges Medium ist, sondern zugleich traditionelle Hauptspeise der Nord- und Mittelamerikaner und somit auch eine Verkörperung des Stammesgottes der indigenen Bewohner Mexikos in der Flora, des Korn-Gotts. Durch das Werfen des (zauberkräftigen) Maiskorns versichern sich die gläubigen Mexikaner einer göttlichen Führung durch den Korn-Gott, der ihnen Nahrung und Schutz geben soll.

Aus dem Muster, das sich durch den Wurf der Maiskörner ergibt, und der Farbverteilung – falls man verschiedenfarbige Körner verwendet – ergeben sich deutungsfähige Figuren, die angeblich schon seit Jahrtausenden einen Blick hinter die Kulissen der Zeit ermöglicht haben. Zufall oder echte Sehergabe? Die Eingeborenen Mexikos glauben daran, dass der Korn-Gott ihnen gern die Zukunft verrät, wenn sie durch den Mittler, das Maiskorn, das zugleich gleichsam ein Bestandteil seines magisch-physischen Körpers ist, darum bitten…


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