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One-Night-Stands in der Geschichte

One-Night-Stands in der Geschichte


Zu behaupten, die Praxis der One-Night-Stands sei typisch 20. Jahrhundert (oder 21. Jahrhundert), ist historisch falsch. Ein großer Sammler von sexuellen Kontakten begegnet uns – ausgerechnet – in der Bibel. Der legendäre König Salomon hatte 2000 Frauen in seinem Harem, und er soll gesagt haben, keine tauge etwas.

Auch weltliche Abenteurer hatten es nicht leicht bei der Vielzahl an Kandidatinnen. Nicht nur der legendäre Don Juan sammelte seine Geliebten – es sollen 1003 gewesen sein, wie sein treuer Diener Leporello geflissentlich berichtet, nicht eingerechnet die schnellen Affären – sondern auch der reale Venezianer Giacomo Casanova, der seine Liebschaften kaum zählen konnte.

Auch im märchenhaften Orient ging es, den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht zufolge, liebestechnisch mehr als bunt zu. Der gefährlichste Sammler von One-Night-Stands war der verrufene Kalif von Bagdad, der die schöne Scheherazade zum Henker führen wollte, bis sie sich mit ihren fantasievollen Geschichten buchstäblich um Kopf und Kragen redete (oder vielmehr denselben rettete).



Nicht immer mit der Köpfung der Schönen, aber auch sehr flüchtig ging es im 18. Jahrhundert zu. Der europäische Adel lebte, um sich zu amüsieren: Spiel mit Karten und Würfel, Tanz und allerlei Liebschaften gehörten dazu. Vorbildlich war diesmal eine Dame, Katharina die Große, von der es hieß: „man betrat ihr Schlafgemach als Soldat und verließ es als Offizier“1, denn die russische Zarin zeigte sich nicht kleinlich und soll der Legende nach gern Auszeichnungen an verdiente Liebhaber soldatische Ehrenmänner verteilt haben, deren Scharmützel zwischen den Laken stattgefunden hatten.

Von ganz oben bis in den kleinen Adel setzte sich bald eine mehr oder weniger offizielle Geliebtenwirtschaft durch, wobei die jungen Damen der Gesellschaft ebenso selbstverständlich Liebhaber hatten wie die Herren eine Geliebte. Die Bälle an den Höfen der Adligen waren die Vorläufer der heutigen Discos, und es gab bereits geheime Wohnungen, in denen die jungen Leute der guten Gesellschaft mit ihren wechselnden Bekanntschaften ungestört die Zeit verbringen konnten2.

Was der Adel vorlebte, ahmte das Bürgertum nach – in den Grenzen seiner Mittel, und die Zahl der Geliebten wurde oft nicht durch die Moral, sondern durch den Geldbeutel begrenzt. Manchmal verliebte sich eine junge Naive jedoch ernsthaft in ihren Verführer und fand sich im Vexierspiel oberflächlicher Eitelkeiten nicht mehr zurecht, wie es Choderlos de Laclos in seinem berühmten Roman „Gefährliche Liebschaften“ (1782) berichtet. Das war praktisch ein Störfall. Denn das Lebensmotto des Rokoko war heiter und nicht wolkig, Liebschaften sollten zur Erheiterung und zur Steigerung des eigenen sozialen Prestiges dienen. Das Sammeln von Geliebten war Sport; junge Männer versuchten, jede Schöne „auf ihrer Liste zu haben“.

Ähnliches klingt aus der 68er Bewegung nach, die sich die sexuelle Revolution auf die Fahne schrieb und das Motto prägte: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum establishment.“ Interessanterweise wendet sich gerade der so genannte Chef-Aufklärer der strengen Nachkriegsjahre, Oswald Kolle, gegen die 68er Bewegung und kritisiert ihre Protagonisten als „Theologiestudenten, die mehr Frauen rumkriegen wollten“3 und manipulativ mit Ideologien umgingen, um sich selbst zu begünstigen.



Kolle bestreitet heute, dass die 68er Bewegung mit ihrem Ruf nach Polygamie etwas zur persönlichen Freiheit der Menschen beigetragen hätte. Auch sieht er die Esoterik und Karma-Idee in der Liebe – ein Souvenir des Indien-Hypes der Siebziger – als fragwürdig an.

In den neunziger Jahren ist die Suche nach One-Night-Stands ohnehin schwieriger geworden aufgrund der Notwendigkeit zum safer sex. Seit 2000 haben sich jedoch die Kontaktchancen durch die massenhafte Verbreitung des Internets gesteigert – ein Kennenlernen per Chat gehört für viele zum Alltag.

1Noch etwas für Ihre Kamin- oder Bettlektüre: Erinnerungen der Kaiserin Katharina II, von ihr selbst geschrieben (Stuttgart 1907)
2Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte Bd. 2 (1910)
3Interview mit Oswald Kolle http://www.youtube.com/watch?v=4MfMQSKW2ms


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