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Orakel international - Japan: Das Zettelorakel Mikuji

Orakel international - Japan: Das Zettelorakel Mikuji

Japan, das „Land der aufgehenden Sonne“ hat einen interessanten Gründungsmythos. In mythologischer Zeit gab es die Sonnengöttin, auf Japanisch Amaterasu-o-mi-kami, welche mit ihren Strahlen für Licht und Leben sorgte. Die Sonnengöttin hatte einen bösen Bruder, den Mondgott Susanoo.

Susanoo brachte den ganzen Tag über nur Unruhe unter die Götter und heiligen Geister des Himmels und spielte ihnen böse Streiche. Eines Tages trieb er seinen Schabernack so weit, dass sich Amaterasu-o-mi-kami schmollend in eine Höhle zurückzog und ihre Strahlen von der Erdoberfläche verbarg.

Das Ergebnis war, die Erde versank in Finsternis und Mensch und Tier fürchteten um ihr Überleben! Erst, als eine kluge Göttin die schmollende Amaterasu durch Tanz und Lautenspiel wieder aus ihrer Höhle hervorgelockt und ihr einen Spiegel vorgehalten hatte, in dem sie ihr strahlend schönes Antlitz erkennen konnte, brach wieder der Morgen über der Erde an und der Bann war gebrochen.

Seit dieser Zeit heißt Japan (Nippon) das Land der aufgehenden Sonne, weil die strahlende Amaterasu die Königin und Schutzgöttin dieses Landes ist, und jeder japanische Kaiser (Tenno) leitet seine Regierungsmacht symbolisch von der Sonnengöttin ab.

Zwar hat das moderne Japan nicht mehr viel mit der mythologischen Zeit zu tun, sondern ist ein absolut fortschrittliches Land mit westlicher Zivilisation und High-Tech, doch die alten Sagen und Legenden leben noch in der Bevölkerung fort, und befruchten auch die Orakelbräuche. Ein Orakelbrauch ist ganz besonders spannend: das Zettel-Orakel an den Shinto-Schreinen überall auf dem Inselstaat Nippons.



Japan hat eine faszinierend lange mythologische und spirituelle Kultur. Grundsätzlich treffen in Japan buddhistische, daoistische und shintoistische Einflüsse in der Religion aufeinander und existieren parallel, zeitweise auch gemischt miteinander.

Die buddhistischen Einflüsse rund um Gautama Buddha stammen aus Indien und teilweise aus China, wo es auch Buddhisten gibt, die daoistischen Einflüsse kommen nur aus China, wo das Dao die älteste Philosophie und Religion darstellt, und die shintoistischen Einflüsse ist genuin japanisch, denn sie entstammten der japanmischen Kultur ohne Fremdeinflüsse. Shintoismus bedeutet die Verehrung von Geistern.

Im alten japanischen Glauben sind Geister überall: in der Erde, in der Luft, im Wasser, im Feuer (sogenannte Elementargeister, ähnlich wie im europäischen Glauben), doch es gibt auch Ahnengeister, Hexen- und Fuchsgeister, spezielle Geister eines Ortes als Schutzpatrone und große Gottheiten, die aber ebenfalls einen Geiststatus haben.

Solche Geister werden in den Shinto-Scheinen verehrt, das sind Tempel, die einem bestimmten Geist oder mehreren Geistern geweiht sind. In diesen Schreinen findet auch das sogenannte Mikuji-Orakel (Omikuji, „O“ ist ein Ehrentitel, der vor einen Namen gestellt wird). Das Mikuji-Orakel besteht aus Sinnsprüchen, die auf Zettel geschrieben wurden und in einer Schachtel im Schrein aufbewahrt werden.

Gläubige pilgern zum Schreinen und stellen vor dem Geist, der im Schrein verehrt wird, ihre Frage, zum Beispiel: „Wird mich Tamiko heiraten?“ oder „Soll ich den Geschäftsdeal mit Mitsubishi tätigen?“ oder etwas anderes, was den Fragenden gerade beschäftigt. Dann ziehen die Gläubigen ein Sinnsprüchlein aus der Schachtel des Shinto-Schreins und erkunden dadurch, ob ihnen Glück oder Unglück beschert wird.

Die Sinnsprüche sind kodiert und werden seit alter Zeit immer in denselben Worten wiedergegeben:

  • Großes Glück (dai-kichi)
  • Mittleres Glück (chu-kichi)
  • Kleines Glück (sho-kichi)
  • Glück (kichi)
  • Halbes Glück (han-kichi)
  • Beinahe-Glück (sue-kichi)
  • Beinahe-Kleines Glück (sue-sho-kichi)
  • Pech (kyo)
  • Kleines Pech (sho-kyo)
  • Halbes Pech (han-kyo)
  • Beinahe-Pech (sue-kyo)
  • Großes Pech (dai-kyo)

Wer nicht zufrieden ist mit der Aussage seines Orakels, darf zwar nicht noch einmal ziehen, hat aber die Gelegenheit, den Zettel an eine Kiefer (Matsu) zu knoten. Denn das japanische Wort für „Kiefer“ bedeutet auch „warten“, und wer den schlechten Orakelspruch an die Kiefer knotet, bindet damit seine Wirkung und sorgt für Aufschub…



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